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Steuern · 6 Min

Vorsteuerabzug in Gefahr: FTA Decision 13/2026 macht Lieferanten-Checks ab Oktober 2026 zur Pflicht

Oktober 2026 · 6 Min Lesezeit

Die nächste Compliance-Welle ist da – und diesmal trifft sie deinen Vorsteuerabzug. Seit dem 1. Oktober 2026 ist die FTA Decision No. 13 of 2026 in Kraft. Sie verpflichtet VAT-registrierte Firmen in den VAE, ihre Lieferanten und Eingangsrechnungen aktiv zu prüfen, bevor sie die gezahlte Mehrwertsteuer als Vorsteuer geltend machen. Klingt nach Bürokratie? Ist es auch – aber wer die Regeln ignoriert, riskiert im schlimmsten Fall, auf der 5 % VAT seiner Einkäufe sitzen zu bleiben. Hier bekommst du die neuen Pflichten ohne Juristendeutsch.

Was ist die FTA Decision No. 13/2026?

Die Federal Tax Authority hat die Entscheidung im August 2026 veröffentlicht, wirksam ist sie seit dem 1. Oktober 2026. Sie konkretisiert den neuen Artikel 54(bis) des VAT-Gesetzes und legt fest, welche Prüfschritte eine Firma durchführen muss, um die „Echtheit und Integrität“ ihrer Einkäufe nachzuweisen. Der Hintergrund: Die VAE wollen Karussell- und Scheinrechnungs-Betrug austrocknen. Die Stoßrichtung passt zu den anderen Neuerungen der letzten Monate – E-Invoicing, strengere Prüfpflichten für Freezone-Händler, eingeschränkter Vorsteuerabzug bei Barzahlungen. Das Muster ist klar: Wer Vorsteuer ziehen will, muss künftig belegen können, dass die Lieferkette sauber ist.

Wen betrifft die neue Pflicht?

Grundsätzlich jede VAT-registrierte Firma in den VAE, die Vorsteuer abzieht – also auch deine Freezone-Company, sobald sie steuerbare Umsätze macht und registriert ist. Die VAT-Registrierung wird grob ab etwa 375.000 AED steuerbarem Jahresumsatz zur Pflicht, freiwillig geht es früher. Wichtig: Mit der 0 % Corporate Tax für Qualifying Free Zone Persons hat das nichts zu tun, Mehrwertsteuer ist eine eigene Baustelle. Besonders relevant ist die neue Regel für Handelsfirmen, E-Commerce-Setups mit vielen Lieferanten und alle, die mit Zwischenhändlern oder wechselnden Dienstleistern arbeiten.

Was musst du bei Lieferanten konkret prüfen?

Neue Lieferanten – und bestehende, die du länger als 12 Monate nicht verifiziert hast – musst du vor dem Geschäft durchleuchten. Je nach Fall gehört dazu:

  • Identität prüfen: Bei Einzelpersonen Ausweisnachweis plus persönliches oder virtuelles Treffen vor der Lieferung
  • Firmendaten checken: Gründungsunterlagen, Handelslizenz, wer ist der bevollmächtigte Vertreter, wo sitzt das Geschäft tatsächlich
  • Transaktion plausibilisieren: Gibt es einen nachvollziehbaren kommerziellen Grund? Passt der Preis zum Marktniveau?
  • Zahlungswege hinterfragen: Barzahlungen, Zahlungen an Dritte oder ins Ausland brauchen eine dokumentierte Begründung
  • Aktivitäten abgleichen: Passt die gelieferte Ware oder Leistung überhaupt zur Lizenz des Lieferanten?

Die drei Schwellenwerte: 10.000, 100.000 und 375.000 AED

Die gute Nachricht: Nicht jeder Kleineinkauf löst das volle Programm aus. Die Decision arbeitet mit drei Stufen. Bei Einzelrechnungen unter 10.000 AED (netto) kannst du auf die Verifizierung unter bestimmten Bedingungen verzichten. Diese Ausnahme fällt aber weg, sobald die Einkäufe bei demselben Lieferanten über 12 Monate die Marke von 100.000 AED überschreiten oder voraussichtlich überschreiten werden. Und ab 375.000 AED Einkaufsvolumen bei einem Lieferanten gelten verschärfte Pflichten: Dann musst du unter anderem nachweisen, dass der Lieferant ein Bankkonto in den VAE hat, und öffentlich verfügbare Informationen zu seiner Reputation auswerten.

Rote Flaggen: Wann du genauer hinschauen musst

Die FTA nennt auch Warnsignale, die eine dokumentierte Erklärung erfordern: Lieferanten, die ihre Adresse oder Schlüsselpersonal mehr als zweimal in 12 Monaten gewechselt haben, oder Transaktionen, die nicht zur Größe und Historie des Lieferanten passen. Auch Zwischenhändler ohne erkennbaren wirtschaftlichen Mehrwert stehen auf der Liste. Taucht so eine rote Flagge auf, heißt das nicht automatisch Geschäftsverbot – aber du musst die Begründung schriftlich festhalten und für die Behörde bereithalten.

Ohne Dokumentation kein Vorsteuerabzug

Der eigentliche Kern der Decision ist die Nachweispflicht: Du musst jeden Prüfschritt dokumentieren und zusätzlich eine schriftliche Richtlinie führen, die festlegt, wer in deiner Firma für die Checks verantwortlich ist und wer sie überwacht. Bei einer Ein-Personen-Firma klingt das absurd – bist eben du für alles zuständig –, aber auch dann sollte das Papier existieren. Denn die Konsequenz bei fehlender Verifizierung ist hart: Der Vorsteuerabzug für die betroffene Rechnung kann komplett verloren gehen. Bei größeren Einkäufen summiert sich das schnell auf fünfstellige Beträge.

So setzt du das jetzt pragmatisch um

  • Liste deine Lieferanten nach 12-Monats-Volumen auf: Wer liegt über 100.000 oder 375.000 AED? Dort zuerst ansetzen.
  • Sammle pro Lieferant ein kleines Dossier: Handelslizenz, Kontaktperson, Adresse, Bankverbindung, Datum der Prüfung.
  • Schreibe eine einseitige Verifizierungs-Richtlinie und benenne die Verantwortlichen – auch wenn das nur du selbst bist.
  • Stelle größere Zahlungen konsequent auf Banküberweisung um und begründe Ausnahmen schriftlich.
  • Sprich mit deinem Buchhalter oder Tax Agent, bevor die nächste VAT-Erklärung fällig ist.

Unsere ehrliche Einschätzung

Für seriöse Firmen ist die Decision 13/2026 vor allem Fleißarbeit – einmal sauber aufgesetzt, läuft der Lieferanten-Check im Onboarding mit. Unangenehm wird es für alle, die bisher mit Bargeld, Briefkasten-Lieferanten oder kreativen Zwischenhändlern gearbeitet haben. Genau auf die zielt die Regel. Wie immer gilt: Das hier ist eine Einordnung und keine Steuerberatung – die Umsetzung im Detail gehört in die Hände eines Profis, der deine Zahlen kennt.

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